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Kantonale Titelwettkämpfe in Oensingen

Weitere Fotos finden Sie auf der Homepage der Schützen Oensingen

 

Einatmen, ausatmen, abdrücken: Einige der besten Schützen des Landes traten in Oensingen an

Ein guter Schütze ist nicht nur körperlich standfest, sondern auch mental stabil: Am Wochenende fanden in Oensingen die kantonalen Titelwettkämpfe im Schiesssport statt.

Im Sportzentrum Bechburg in Oensingen fanden die kantonalen Titelwettkämpfe im Luftgewehr und Luftpistole statt.

Im Sportzentrum Bechburg in Oensingen fanden die kantonalen Titelwettkämpfe im Luftgewehr und Luftpistole statt.

Bilder: José R. Martinez

«Laden. Start.» Acht Schützinnen und Schützen legen an, zielen und drücken ab. Sie schiessen im Finale der Kategorie «Elite» an den kantonalen Titelwettkämpfen im Schiesssport, die heuer in Oensingen stattfinden. Alle visieren die Zielscheibe an, deren innerster Punkt gerade mal einen halben Millimeter misst.

Wer diesen genau trifft, erhält 10,9 Punkte – die Höchstpunktzahl. Die Schüsse der Finalistinnen und Finalisten landen zielgenau und erreichen meist über 10 Punkte. So auch jene von Jan Lochbihler. Der 33-Jährige stammt ursprünglich aus Holderbank und schiesst am Wettkampf für den Schützenverein Olten. Er zählt zu den besten Sportschützen des Landes und vertrat die Schweiz vor zehn Jahren an den Olympischen Sommerspielen.

Die beiden Cracks: Gina Gyger und Jan Lochbihler.

Die beiden Cracks: Gina Gyger und Jan Lochbihler.

Mit den anderen steht er hoch konzentriert mit parallel gestellten Füssen da und hält sein Luftgewehr ruhig aufrecht. Die Tenues aus steifem Leder helfen zusätzlich für einen stabilen Stand. Nach jeder Runde scheidet der oder die Letztplatzierte aus, bis nur noch zwei übrig sind: Lochbihler, mit leichtem Vorsprung, und die Oensingerin Gina Gyger, die für die Sportschützen Winistorf antritt. Letztere trifft kurz vor Ende voll ins Schwarze, 10,9. Jubelrufe gehen durch das Publikum – und Lochbihler verschiesst. Dies verschafft Gyger den entscheidenden Vorsprung und sie sichert sich die Goldmedaille.

Schwächen mit Stärken ausgleichen

Obwohl sich ein erfahrener Schütze von Hintergrundgeräuschen normalerweise nicht ablenken lässt, habe ihn die Reaktion des Publikums diesmal aus der Fassung gebracht, sagt Lochbihler nach dem Wettkampf. Ein verpatzter Schuss von insgesamt 60 pro Durchgang; eine solche kleine Unaufmerksamkeit kann im Schiesssport den Sieg kosten.

Was geht in einem Athleten kurz bevor er abdrückt? «Man ist ganz bei sich», meint Lochbihler. «Man achtet auf die Körperspannung, die Balance, die Atmung; vor allem auf technische Aspekte.» Im Moment, wenn man den Abzug zieht, sollte alles stimmen: Kraft, Ausdauer, Feinmotorik, Konzentration, Achtsamkeit. «Wenn das alles harmonisiert, ist man ein guter Schütze», sagt er. Entscheidend sei dabei, dass man seine persönlichen Schwächen auszugleichen weiss. Etwa sei seine Körpergrösse beim Schiessen im Stand nicht von Vorteil, da es schwieriger sei, sich komplett stillzuhalten, erläutert Lochbihler. Er könne dies aber durch Körperspannung und Ruhe versuchen wettzumachen.

Im Sportzentrum Bechburg in Oensingen fanden die kantonalen Titelwettkämpfe im Luftgewehr und Luftpistole statt.

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Im Sportzentrum Bechburg in Oensingen fanden die kantonalen Titelwettkämpfe im Luftgewehr und Luftpistole statt.

Regionale Wettkämpfe machen nervöser

Frauen hätten im Schiesssport zudem natürlicherweise einen leichten Vorteil, erklärt der OK-Präsident des Anlasses Rolf Kaiser von den Schützen Oensingen: «Sie sind etwas mobiler in der Hüfte.» Auf nationaler Ebene schiessen Frauen und Männer in getrennten Kategorien, an kantonalen Wettkämpfen wie diesem treten sie aber gemischt an.

Die Teilnehmenden schiessen am Samstag mit dem Luftgewehr, am Sonntag mit Luftpistolen. Geladen seien die Schusswaffen mit Bleikugeln, die bis zu einem Kilometer weit fliegen können, erklärt Kaiser. Hier im Sportzentrum Bechburg treffen die Geschosse aber nach zehn Metern auf eine elektronische Zielscheibe. Das Resultat wird direkt auf eine Leinwand projiziert – daher die unmittelbaren Reaktionen aus dem Publikum, die Lochbihler aus dem Konzept zu bringen vermochten.

Der entscheidende Schuss zum Sieg von Gina Gyger.

Der entscheidende Schuss zum Sieg von Gina Gyger.

An regionalen Wettkämpfen sei bei ihnen die Nervosität oft höher als an internationalen, erläutern die drei grössten Schützentalente des Kantons, Jan Lochbihler und die Schwestern Vivien und Emely Jäggi aus Niederbuchsiten, an einem Podiumsgespräch nach der Rangverkündigung.

Die Erwartungen von aussen erscheinen höher: «Man ist angespannter, was im Umfeld passiert», sagt Lochbihler. «Daher ist es für mich aber das beste Training für Stress, wenn man vor den eigenen Leuten abliefern muss», fügt Vivien Jäggi an. Enttäuschungen wie ein verpatzter Schuss müsse man versuchen, während des Wettkampfs wegzustecken: «Man sollte es akzeptieren und zurück in den normalen Ablauf finden», rät Lochbihler. Solche Nerven aus Stahl werden er und die Jäggi Schwestern nächsten Monat an den Europameisterschaften in Armenien unter Beweis stellen können, wo die drei Solothurner im Schweizer Nationalteam antreten werden.

Jan Lochbihler, Emely Jäggi und Vivien Jäggi mit Moderator Mario Kissling (von links).

Jan Lochbihler, Emely Jäggi und Vivien Jäggi mit Moderator Mario Kissling (von links).